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Gesehen in Tennismagazin Germany Heft 10-05


Das Herz von Pacific ist ein rund 30 Quadratmeter großer Raum. An einer Seite ist er komplett verglast, so dass er schön hell wirkt. In der Mitte befindet sich ein Konferenztisch mit acht Stühlen. Daneben steht eine Bespannmaschine von anno dazumal inklusive Holztischchen und Fußpedal. An einer Wand hängen rund 20 Holzschläger und, fein säuberlich eingerahmt, historische Anleitungen zum Besaiten der Rackets. Man denkt an Rod Laver und Roy Emerson. Wahrscheinlich ließ sich Firmenchef Marcus Schwarz, 46, von dieser Atmosphäre im zweiten Stock der Pacific-Zentrale in Hochdorf bei Stuttgart inspirieren, als ihm seine jüngste Idee kam: nicht nur Saiten, Griffbänder, Bekleidung, Bälle und Taschen zu vertreiben, sondern auch Schläger. Nicht nur Spezialist sein, sondern Komplettausstatter. Die Gelegenheit war günstig, als die Firma Fischer ihre traditionelle Racketmarke

abstoßen musste. Sie war nicht mehr rentabel. Schwarz fuhr nach Österreich, um zu verhandeln. Nicht einmal seinen engsten Mitarbeitern hatte er vorher etwas verraten. Erst als der Deal im Juli letzten Jahres eingetütet war, informierte er die verdutzte Belegschaft. „Im August fiel der Startschuss. Vier Monate später haben wir eine komplett neue Racket-Range präsentiert“, berichtet Sales Manager Claus-Peter Lander stolz. Der Rahmen hätte kaum besser sein können. Beim ATP World Finale in London fand die Weltpremiere der neuen Schlägermarke statt. Im Doppel spielte der Tscheche Lukas Dlouhy bereits mit einem Pacific-Rahmen – dem „X Force Pro“. Der Vergleich mit Babolat drängt sich auf. Auch die Franzosen galten als Saitenspezialist bevor sie Ende der 90er Jahre Rackets ins Portfolio aufnahmen. Dann verpflichteten sie Stars wie Carlos Moya, Andy Roddick und Rafael Nadal und kamen auch mit Rackets zu Ruhm. Hat Pacific ähnliches vor? Marcus Schwarz mag den Vergleich nicht. „Wir gehen unseren eigenen Weg“, sagt er.

Natürlich weiß der Firmenchef, dass man Stars braucht, um ein Produkt zu verkaufen. Aber man stehe schließlich erst am Anfang. Bislang spielen Potito Starace, Andrei Golubev und die Doppelspezialisten Frantisek Cermak und eben Dlouhy das Racket mit dem charakteristischen X im Saitenbett. Bei den Senioren schlägt Ex-Wimbledonsieger Pat Cash mit Pacific auf.

Die Technologie von Fischer

Für Schwarz ist der entscheidende Vorteil, dass Pacific von Fischer nicht nur die Lizenz übernahm, sondern Produktions-, Vertriebsstandorte und vor allem die Technolgie. 35 Jahre lang gab es Fischer-Schläger – eine Ewigkeit. Die Formen für die Rackets, insgesamt mehr als 200, die sogenannten Molds, in denen die Schläger „gebacken“ werden, sind ebenso in den Besitz des neuen Eigentümers übergegangen wie die kompletten Tuning-Geräte und alle Akten mit Aufzeichnungen über die Schlägerspezifikationen früherer Vertragsspieler. Michael Stich und Yevgeny Kafelnikov hießen die bekanntesten Fischer-Protagonisten. „Fünf bis sieben Jahre Zeit bei der Entwicklung von Schlägern haben wir gespart“, schätzt Schwarz. Wie wichtig das bestehende Know-how für das württembergische Unternehmen ist, wird schon daran deutlich, dass an jedem Schlägerkopf der Schriftzug „Fischer Technology“ prangt. In Sachen Marketing geht man dennoch neue Wege. „Black Granite“ hieß der Wunderstoff, mit dem Fischer warb. Schwarz hielt das für keine gute Idee, auch wenn seine Rackets aus dem gleichen Material bestehen. „Bei Granit denkt man an Steine und somit an schwere
Schläger“, sagt Schwarz. Womit er zweifellos Recht hat in einer Zeit, in der „light“ das Zauberwort in der Racketbranche heißt.

Neue Tuning-Werkstatt

Bei Pacific heißt die Technologie „BasaltX“. Der Clou: die Basaltfaser. Sie wird aus Vulkangestein gewonnen. Die Eigenschaften: enorm fest, hoch elastisch und federleicht. Im Autobau und in der Raumfahrttechnik wird der Stoff verwendet. Im Racket wird das Hightech-Material punktuell eingebaut – um den Rahmen zu stabilisieren und um die Spieleigenschaften zu verbessern.

Nächste Station: die Tuning-Werkstatt. Es ist das Reich von Tom Parry und Christian Reuter, Chefbespanner bei Pacific. Auf Tischen liegen Dutzende von Rahmen, die frisch produziert wurden. Reuter präpariert Klebstoff, schäumt Griffe auf, spritzt Silikon hinein, sägt die Rahmen auf die passende Größe, befestigt Blei am Schlägerkopf, wiegt das Gewicht und bestimmt die Balance. „Für unsere Spieler ist so ein Service enorm wichtig“, sagt Schwarz. Seit drei Jahren ist das Unternehmen offizieller Ausstatter der ATPTour für Saiten und Griffbänder. Es sieht so aus, als überließe Pacific auch beim Start seiner neuen Racketmarke nichts dem Zufall.
Andrej Antic